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Kinderschutz und Gewaltprävention

In Niedersachsen läuft unter dem Motto "Kinderschutz geht alle an!" eine Sensibilisierungs­kampagne des Niedersächsischen Sozialministeriums. Erwachsene aus dem sozialen Umfeld und in Schule, Kita oder Vereinen werden damit dazu aufgerufen, besonders auf die Situation von Kindern zu achten. In der aktuellen Zeit der Corona-Pandemie, wenn krisenhafte Belastungen zum Aufflammen von Konflikten führen können, ist diese hohe Aufmerksamkeit besonders wichtig. Niedersachsen verfügt über eine ausgeprägte Hilfs- und Beratungsstruktur im Kinder- und Jugendschutz. Im Kinderschutzportal Niedersachsen finden Fachkräfte Informationen, Arbeitshilfen und Veranstaltungshinweise dazu. Betroffene Eltern und Kinder können sich dort über Hilfsangebote in Niedersachsen informieren. Kinder und Jugendliche sind auch von innerfamiliären Konflikten und häuslicher Gewalt mitbetroffen. Die Aufmerksamkeit gilt daher auch der Prävention häuslicher Gewalt zum Schutz von Kindern und Erwachsenen.

Präventiven Kinderschutz in Einrichtungen weiterentwickeln: Land veröffentlicht Leitlinien

Kinderrechte und Kinderschutz in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen, ist eine wichtige und gleichermaßen anspruchsvolle Aufgabe. Der im Rahmen der Niedersächsischen Landesjugendhilfeplanung veröffentlichte Schwerpunktbericht "Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen gewährleisten" legt Qualitätsstandards fest und gibt Praktikerinnen und Praktikern Eckpunkte, Leitlinien und Prinzipien für die Weiterentwicklung des präventiven Kinderschutzes an die Hand. Der vom Institut für soziale Arbeit (ISA) erarbeitete Bericht ist online auf www.ms.niedersachsen.de veröffentlicht.

Prävention von Kinder- und Zwangsehen sowie zum Schutz betroffener Mädchen und Jungen

Der Landespräventionsrat Niedersachsen fördert in den Haushaltsjahren 2022-2023 Maßnahmen und Projekte zur Vermeidung von Kinder- und Zwangsehen. Mit den Mitteln sollen Projekte zur Prävention von Zwangsehen und Minderjährigen-Ehen sowie zur Unterstützung und zum Schutz betroffener Kinder und Jugendlicher gefördert werden. Mittel können für Personal- und Sachausgaben von Projekten beantragt werden. Anträge können bis zum 31.10.2022 bzw. 31.12.2022 (Laufzeit in 2023) beim Landespräventionsrat eingereicht werden.

ÜSTRA-Einrichtungen und Stadtbibliotheken in Hannover als Kinder:Schutzinseln

In Hannover gibt es fünf neue Zufluchtsorte für Kinder: Die ÜSTRA beteiligt sich an der Initiative Kinder:Schutzinsel der Kinderschutzallianz - künftig sind das GVH Kundenzentrum, die Hauptverwaltung sowie die Stadtbahn-Betriebshöfe Anlaufstellen für Kinder in Notsituationen. Bei den Kinder:Schutzinseln geht es nicht nur um Hilfe bei ernster Gefahr, sondern auch bei ganz alltäglichen Problemen – die Schutzinseln bieten Kindern eine erste Anlaufstelle und versuchen schnell und unbürokratisch zu helfen, bis Eltern oder Behörden verständigt sind. Mehr ...

Auch die Stadtbibliothek Hannover und elf ihrer Einrichtungen in den Stadtteilen sind Anlaufpunkte für Kinder, die sich in Problemlagen befinden. Mehr ...

Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen

Die Website www.taeterarbeit-niedersachsen.de, auch erreichbar unter www.mann-kann-sich-aendern.de, bietet eine Übersicht über die örtlichen Angebote der Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen. Das Informationsangebot entstand im Rahmen des Modellprojekts "Nachhaltige Vernetzung der Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen", gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Die Website wurde vom Männerbüro Hannover e.V. entwickelt. Sie bündelt Informationen zur Täterarbeit für Interessierte und Fachkräfte. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen wird vorgestellt.

Beim dem dreijährigen Modellprojekt steht die Vernetzung von Täterarbeits­einrichtungen mit den örtlichen Interventionsstrukturen im Fokus. Das Projekt des Niedersächsischen Sozialministeriums ist Teil der Umsetzung der Istanbul Konvention und wird seit 2020 durch das Männerbüro Hannover umgesetzt. Von häuslicher Gewalt sind nicht nur Frauen, sondern häufig auch Kinder direkt oder indirekt (mit)betroffen. Weitere Informationen zur Förderung von Täterarbeits­einrichtungen auf der Website des Niedersächsischen Sozialministeriums.

Abschlussbericht der Enquetekommission Kinderschutz

Am 12. September 2022 hat die Enquete­kommission zur Verbesserung des Kinder­schutzes und zur Verhinderung von Missbrauch und sexueller Gewalt an Kindern (EKKiSchG) ihren Abschlussbericht an Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta übergeben. Die Kommission war im Oktober 2020 vom niedersächsischen Landtag eingesetzt worden. Hintergrund war das Bekannt­werden des jahrelangen Kindesmiss­brauchs auf einem Campingplatz in Lügde nahe der Grenze zu Niedersachsen. Kinder- und Jugendministerin Daniela Behrens kündigte eine umfassende Auseinandersetzung mit den 162 Empfehlungen an. Mehr ...

Kerstin Claus ist neue Missbrauchsbeauftragte

Das Bundeskabinett hat auf Vorschlag des Bundesfamilienministeriums die Journalistin Kerstin Claus zur Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) berufen. Mit Kerstin Claus wird das Amt ab dem 1. April 2022 für die nächsten fünf Jahre neu besetzt. Die Unabhängige Beauftragte ist im Auftrag der Bundesregierung verant­wort­lich für die Anliegen von Betroffenen und eine Stelle für alle, die sexuali­sierter Gewalt und Ausbeutung an Kindern und Jugendlichen entschie­den entgegentreten. Der ehemalige Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig (2011-2022) hatte sein Amt im Februar 2022 niedergelegt. www.beauftragte-missbrauch.de

Social Media Kampagne #hilfefürdich

Die vier niedersächsischen Kinderschutz-Zentren in Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Nord-Ost-Niedersachsen haben zusammen mit dem niedersächsischen Sozialministerium eine Social-Media-Kampagne für mehr Sichtbarkeit gestartet. Unter dem Hashtag #hilfefürdich und der gleichnamigen Website www.hilfefürdich.de informieren sie gezielt junge Menschen über ihre Angebote. Kinder und Jugendliche sollen so ermutigt werden, sich bei Gewalt oder Problemen Hilfe zu suchen. Die Probleme, die hier vorwiegend thematisiert werden, sind alle Formen von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche: sexualisierte Gewalt, körperliche Gewalt, psychische Gewalt sowie körperliche und emotionale Vernachlässigung.

Kinderschutzzentren in Niedersachsen

In Niedersachsen haben die Kinderschutzzentren eine lange und erfolgreiche Tradition. Das Land Niedersachsen fördert die mittlerweile fünf Einrichtungen in Hannover, Göttingen, Oldenburg, Osnabrück und das Kinderschutz-Zentrum in Nordost­niedersachsen mit Standorten in Lüneburg und Stade. Sie sind Anlauf- und Beratungs­stellen für Kinder, Erwachsene und Fachkräfte für Fragen rund um das Thema Kinderschutz, Kindeswohl­gefährdung und Hilfe bei sexualisierter oder häuslicher Gewalt. In den Kinderschutz­zentren finden unter anderem Beratungen von Fachkräften und Institutionen statt. Fortbildungs­veranstaltungen, Netzwerk- und Öffentlichkeits­arbeit und die Durchführung von modellhaften Vorhaben im Kinderschutz werden dort umgesetzt. Beratungs­angebote für Kinder und Eltern werden in der Regel über kommunale Beteiligung finanziert.

Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch

Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) wendet sich mit dem Präventionsprojekt "Sexuelle Gewalt an Kindern" an Schulen und Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Fachkräfte benötigen Basiswissen über sexuellen Missbrauch, über Täterstrategien und über die Folgen für die Betroffenen. Und sie brauchen ein fachliches und kollegiales Umfeld, das sie bei der Begleitung von betroffenen Kindern gut unterstützt. Die damit zusammenhängenden Problemlagen werden im Projekt der LJS thematisiert. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen und (Inhouse-)Fortbildungen werden konkrete Fragestellungen bearbeitet – zum Beispiel: Wie kann man mit Kindern über sexuellen Missbrauch sprechen, ohne sie zu überfordern? Wie sollten Fachkräfte vorgehen, wenn sie sexuellen Missbrauch vermuten? Was ist zu tun, wenn ein Übergriff bekannt geworden ist? Welche Unterstützung brauchen Kinder, die Missbrauch erlebt haben? Wo finden Fachkräfte spezialisierte Beratung und regionale Hilfeangebote? www.jugendschutz-niedersachsen.de/gemeinsam-gegen-sexuellen-missbrauch

Kindschaftssachen und häusliche Gewalt

Die Fortbildungsbroschüre "Kindschaftssachen und häusliche Gewalt" richtet sich an alle Akteurinnen und Akteure im familiengerichtlichen Verfahren, die bei der Regelung des Umgangs, der elterlichen Sorge und der Feststellung der Kindeswohlgefährdung (nach häuslicher Gewalt) mitwirken. Dazu gehören auch Fachkräfte in Jugendämtern und bei freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe. Die konsequente Beachtung von häuslicher Gewalt und deren Folgen führt zu einem verbesserten Schutz von Gewaltbetroffenen und ist auch im Sinne des Kindeswohls geboten. Die Broschüre informiert zum Thema "Schutz und Unterstützung bei und nach häuslicher Gewalt". Rechtliche Aspekte zu Umgang, elterlicher Sorge, Kindeswohlgefährdung und familien­gericht­lichem Verfahren bei Vorliegen von häuslicher Gewalt werden beleuchtet. Download der Broschüre von der Website des Bundesfamilienministeriums.

Nationaler Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Am 30. Juni 2021 tagte der Nationale Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Das Forum hat eine "Gemeinsame Verständigung" vorgelgt. Darin sind konkrete Maßnahmen in fünf Themenkomplexen enthalten. Ziel ist es Schutz und Hilfen bei sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu verbessern, kindgerechte Gerichtsverfahren zu gewährleisten und die Forschung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt weiter voranzubringen. Die "Gemeinsame Verständigung" des Nationalen Rates finden Sie unter www.nationaler-rat.de/ergebnisse und unter www.beauftragter-missbrauch.de

#einetrachtliebe

Unter dem Hashtag #einetrachtliebe hat das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung eine digitale Kampagne zum Thema "Gewaltfreie Erziehung" gestartet. Das Mutter- und Vaterwerden wird meistens als ein ganz besonderes und schönes Lebensereignis erlebt. Mit dem Erziehen und Begleiten von Kindern sind aber auch viele Herausforderungen verbunden. Gerade die pandemiebedingten Einschränkungen, aber auch Existenznöte und Sorgen können Familiensysteme aktuell zusätzlich extrem belasten. Vielen Eltern und Bezugspersonen von Kindern sind die Rechte von Kindern auf gewaltfreie Erziehung zwar bewusst. Dennoch kommt Gewalt in unterschiedlichster Form als Erziehungsmittel noch vor. www.kinderschutz-niedersachsen.de/einetrachtliebe

Kinderschutz geht alle an!
Materialien zum Auslegen

Die Sensibilisierungsoffensive "Kinderschutz geht alle an!" des Niedersächsischen Sozial­ministeriums weist Kinder und Erwachsene auf Beratungs- und Hilfemöglichkeiten hin. Sie finden zielgruppengerechten Informationen im Niedersächsischen Kinderschutzportal. Materialien dazu können, ebenso wie die kleinen Flyer zum Kinderschutzportal, zum Auslegen in Einrichtungen kostenfrei bestellt werden. Alle Infos dazu auf www.kinderschutz-niedersachsen.de

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"
anonym und kostenfrei unter 08000 116 016
www.hilfetelefon.de

Hilfetelefon "Gewalt an Männern"
anonym und kostenfrei unter 0800 123 9900
www.maennerhilfetelefon.de

Hilfetelefon sexueller Missbrauch
anonym und kostenfrei unter 0800 22 55 530
beauftragte-missbrauch.de

Kampagne gegen häusliche Gewalt

Um Gewalt in der Nachbarschaft zu erkennen und zu verhindern, hat die Koordinierungs­stelle "Häusliche Gewalt" beim Landespräven­tionsrat Niedersachsen im Justizministerium gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung die Kampagne "Hast du das auch gehört?" gestartet. Post­karten und Plakate zeigen, was man tun kann, wenn in der Nachbarschaft häusliche Gewalt bemerkt wird. Sie stehen unter auchgehoert.de zum Download bereit. Die wesentlichen Empfehlungen lauten: Aufmerksam sein! Informationen einholen! Hilfe anbieten! Konfliktsituationen unterbrechen! Polizei rufen!