Kinder zu bekommen ist für mehr als die Hälfte der Frauen in Niedersachsen – dem Bundesland mit der höchsten Geburtenrate bundesweit – fester Teil ihres Lebensentwurfs. Eine stabile Partnerschaft spielt dabei eine wichtige Rolle: Zwei Drittel der Mütter sind bei der Geburt ihres ersten Kindes verheiratet, drei Viertel befinden sich in einer bereits mehrjährigen Partnerschaft. Das sind Ergebnisse der Befragungsstudie "frauen leben 4. Familienplanung im Lebenslauf" des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG). Sie zeigt, wie Frauen im reproduktiven Alter leben – und wie stark ihre Entscheidungen zur Familienplanung von gesellschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
Die länderspezifische Auswertung für Niedersachsen beruht auf einer repräsentativen Befragung von 1.889 Frauen zwischen 20 und 44 Jahren. Sie gibt Auskunft zu Aspekten der Familienplanung wie Kinderwunsch, Schwangerschaften, Partnerschaft und Verhütung: darüber, welche Vorstellungen von Familie die Befragten haben, wie sie das eigene Leben mit Kind oder ohne Kind gestalten und was ihre Entscheidungen dahingehend beeinflusst. Durchgeführt wurde sie vom Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen Freiburg (SOFFI F).
Die aktuelle Erhebung knüpft an die großangelegte "frauen leben 3"-Studie (2012-2022) mit über 19.000 Befragten an, die ebenfalls vom Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen durchgeführt und vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gefördert wurde. Zeitgleich mit Niedersachsen fand eine repräsentative Befragung in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen statt.
Zentrale Ergebnisse für Niedersachsen im Überblick:
- Als Gründe, keine Kinder zu bekommen, werden vor allem finanzielle Umstände und zu große Sorgen wegen der aktuellen Krisen (jeweils 31%) sowie partnerschaftsbezogene Gründe (31%) und nicht ausreichende Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (24%) genannt.
- Als Mutter erwerbstätig zu sein, wird von der großen Mehrheit der Frauen gewünscht: 86 Prozent möchten arbeiten, wenn das jüngste Kind drei Jahre alt ist. Bei Kindern im Grundschulalter möchten fast alle Frauen erwerbstätig sein.
- Von ihren Partnern erwarten vor allem Akademikerinnen eine Reduzierung ihrer Erwerbstätigkeit zugunsten der Familie.
Neben Niedersachsen auch Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen im Fokus
Die Befragungsstudie wurde im Juni und Juli 2024 zeitgleich in Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen durchgeführt. Auch dort zeigt sich: Lebensentwürfe, Kinderwunsch und Familiengründung werden maßgeblich durch Bildung, ökonomische Sicherheit und gesellschaftlichen Wandel geprägt. Der Vergleich der Ergebnisse zwischen verschiedenen Bundesländern ermöglicht fundierte regionale Einschätzungen für Wissenschaft, Praxis und Politik. Weitere Ergebnisse werden im nächsten Jahr für Sachsen veröffentlicht.
