Wie steht es um die Kinderrechte in Deutschland? Das Deutsche Kinderhilfswerk gibt regelmäßig den Kinderreport Deutschland heraus, der die Umsetzung der UN-Kinderrechte in Deutschland untersucht. Im Jahr 2026 zeigt der Kinderreport: für echte Bildungsgerechtigkeit in Deutschland sind dringend mehr finanzielle Mittel und Teilhabe nötig.
Bildung als Voraussetzungen für Teilhabe, Chancengerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben
Immer wieder wird in Deutschland sichtbar, wie ungleich die Bildungschancen von Kindern verteilt sind. Dabei ist Bildung weit mehr als ein institutionelles Angebot – sie ist eine der zentralen Voraussetzungen für soziale Teilhabe, Chancengerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben. In den Artikeln 28 und 29 der UN-Kinderrechtskonvention verpflichten sich Bund und Länder, allen jungen Menschen einen diskriminierungsfreien Zugang zu hochwertiger Bildung zu garantieren und Bildungsorte so zu gestalten, dass sie die Persönlichkeitsentwicklung, die Entfaltung von Fähigkeiten sowie die demokratische Teilhabe fördern.
Wie Erwachsene und auch Kinder und Jugendliche den Ist-Zustand der chancengerechten Bildung in Deutschland einschätzen und welche konkreten Veränderungen und Maßnahmen sie für wichtig halten, zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage für den Kinderreport Deutschland 2026.
Ausgewählte Ergebnisse des Kinderreports 2026
Veränderungen im Bildungssystem
Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, halten die erwachsenen Befragten es in erster Linie für (sehr) wichtig, für mehr zusätzliches und qualifiziertes Personal an Schulen und Kitas zu sorgen, um pädagogische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben zu entlasten. 93 Prozent sind dieser Meinung. Große Zustimmung (91 Prozent) findet auch die Forderung nach einheitlichen Bildungsstandards und -bedingungen in ganz Deutschland, unabhängig vom Bundesland. Eine hohe Bedeutung kommt aus Sicht der erwachsenen Bevölkerung (90 Prozent) zudem einer kostenfreien Bildung von der Kita bis zur Schule, einschließlich Lern- und Unterrichtsmaterialien zu. Auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Kita, Schule oder Jugendarbeit findet große Zustimmung (88 Prozent), ebenso eine stärkere finanzielle Förderung von Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Kinder (84Prozent). 80 Prozent halten einen verpflichtenden und schnellen Zugang von geflüchteten Kindern zur Schule in Deutschland, unabhängig vom Bundesland und möglichst direkt nach ihrer Ankunft, für (sehr) wichtig. Vergleichsweise seltener, aber immer noch von der Mehrheit der Befragten, wird ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus als wichtig oder sehr wichtig genannt (59 Prozent).
Als wichtigste Maßnahme sehen es die Kinder und Jugendlichen an (88 Prozent), dass Kitas, Schulen und Schulmaterial für alle Kinder kostenlos sind. 87 Prozent sind der Meinung, dass in Deutschland für alle Schulen ähnliche Regeln gelten sollten, damit alle Kinder die gleichen Chancen bekommen. Dass geflüchtete Kinder, die nach Deutschland kommen, schnell in die Schule gehen können sollten, meinen 78 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kitas und anderen Angeboten für Kinder wie beispielsweise Jugendtreffs halten 72 Prozent für (sehr) wichtig. Rund zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen (69 Prozent) sind der Meinung, dass es in Schulen mehr Erwachsene geben sollte, die helfen, damit Lehrkräfte mehr Zeit für den Unterricht haben. 61 Prozent der sind der Ansicht, dass Schulen mit vielen Kindern aus armen Familien stärker finanziell gefördert werden sollten. Und etwas seltener wird ein längeres gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungsniveaus als (sehr) wichtig bewertet (49 Prozent).
Maßnahmen zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder in der Schule
Als (sehr) wichtige Maßnahme zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder im Schulalltag, um diesen bessere Bildungschancen zu ermöglichen, werden vor allem verbindliche Lern- und Sprachförderangebote (94 Prozent) angesehen. Eine große Mehrheit hält auch Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen (91 Prozent) für (sehr) wichtig. Als weitere wichtige Maßnahme wird von den Erwachsenen eine flächendeckende Schulsozialarbeit und psychosoziale Beratung von Schülerinnen und Schülern angesehen. 87 Prozent halten das für (sehr) wichtig. Zudem wird der Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen (82 Prozent) mehrheitlich als (sehr) wichtig bewertet. Etwas seltener (70 Prozent) wird eine individuellere Leistungsbewertung über klassische Noten hinaus als (sehr) wichtig eingeschätzt.
Um sozial benachteiligten Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen, sprechen sich die Kinder und Jugendlichen in erster Linie für Lern- und Sprachförderangebote aus. Insgesamt 88 Prozent halten das für (sehr) wichtig. Als besonders wichtig erachten die Kinder und Jugendlichen (86 Prozent) auch Unterstützungsangebote für Familien in belasteten Lebenslagen. Und auch mehr Ansprechpersonen in der Schule, beispielsweise in der Schulsozialarbeit, sehen die Kinder und Jugendlichen als wichtige Maßnahme (81 Prozent) zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder an. Dass schulische Leistungen nicht nur mit Noten bewertet werden sollten, bewerten 74 Prozent der Kinder und Jugendlichen als (sehr) wichtig. Und mehr Ganztagsangebote zum Lernen, Spielen und Ausprobieren sehen 71 Prozent als (sehr) wichtige Maßnahme an, um sozial benachteiligte Kinder in der Schule direkt zu unterstützen.
Maßnahmen zur Fördrung von Mitbestimmung, Teilhabe und demokratischem Lernen in Kita und Schule
Als wichtige Maßnahmen, um Mitbestimmung, Teilhabe und demokratisches Lernen von Kindern und Jugendlichen in Kita und Schule zu fördern, wird von den Erwachsenen (88 Prozent) insbesondere eine verbindliche Demokratiebildung in Schulen bewertet, um Wissen und Fähigkeiten für ein demokratisches Zusammenleben zu vermitteln. Rund drei Viertel der Erwachsenen (78 Prozent) halten zudem mehr projektbasierten Unterricht, der Schule stärker mit dem sozialen Umfeld verbindet, für (sehr) wichtig. Etwa zwei Drittel der Erwachsenen (67 Prozent) sehen außerdem verbindliche Mitbestimmungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, um den Schulalltag aktiv mitzugestalten, als (sehr) wichtig an. Mehr Möglichkeiten für Kinder, in Kitas bei Entscheidungen mitzubestimmen, halten 40 Prozent der erwachsenen Befragten für (sehr) wichtig.
Damit Kinder und Jugendliche in Kita und Schule mitbestimmen können und lernen, wie Demokratie funktioniert, halten 94 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen es für (sehr) wichtig, dass in der Schule gelernt wird, wie Demokratie funktioniert und wie man fair miteinander umgeht. 88 Prozent bewerten es als (sehr) wichtig, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule in der Regel mitentscheiden können, zum Beispiel bei Regeln oder Projekten. Dass es in der Schule mehr Projekte geben sollte, bei denen Schülerinnen und Schüler mit anderen Bereichen außerhalb der Schule zusammenarbeiten, beispielsweise mit Vereinen oder der Nachbarschaft, halten 70 Prozent für (sehr) wichtig. Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder bereits in Kitas sehen 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen als (sehr) wichtig an.
Umfrage unter Kindern und Erwachsenen
Für den Kinderreport 2026 wurden im Januar 2026 im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes von der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH zwei Erhebungen durchgeführt: Befragt wurden 1.006 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren sowie 1.002 Erwachsene (Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren). Beide Befragungen wurden als Online-Befragung im Rahmen des repräsentativen Online-Panels forsa.omninet durchgeführt.
Alle Fragen wurden Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen gleichermaßen gestellt, allerdings wurde den Kindern und Jugendlichen ein Fragebogen mit Formulierungen vorgelegt, die der Altersgruppe angepasst worden waren. Die ermittelten Ergebnisse können lediglich mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland bzw. der Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren übertragen werden.
